Alles im Fluss

Geschrieben von Goldeber am in Visionen und Vergangenheit

Schwimmen kann man in Berlin an vielen Orten – nur nicht in der Spree. Das möchte die Initiative Flussbad Berlin jetzt ändern. 2020 könnte das Wasser der Spree in Berlin-Mitte soweit geklärt sein, dass die Berliner mit Blick auf Museumsinsel und Schloss planschen können. Ein einzigartiges Projekt. Von Markus Harmann

So also sehen Star-Architekten aus. Fahrrad, unrasiert, lässiges Hemd. Jan und Tim Edler vom Kreuzberger Büro „realities:united“ (gegründet 2000) entwarfen kühne Fassaden und spektakuläre Lichtinstallationen in Graz, Toronto und Cordoba. Jetzt stehen sie auf der Schlossbrücke in Berlin-Mitte. Unter ihnen der Kupfergraben, ein Teil der Spree.

Vor drei Jahren haben Sie den mit 100.000 US-Dollar dotierten Holcim Award gewonnen, den weltweit vielleicht renommiertesten Preis für nachhaltige Architektur. Prämiert wurde ihr Projekt Flussbad: Ein Spree-Pool vor der malerischen Kulisse der Museumsinsel. „Der Kupfergraben hat Potenzial – und es wird praktisch nicht genutzt“, sagt Tim Edler. Der Spreearm ist flach, das Wasser fließt langsam, die Brücken sind zu niedrig für die großen Fahrgastschiffe – warum also nicht drin schwimmen?

Für diese Idee werden sie mit Lob überschüttet. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, der ehemalige Kulturstaatssekretär André Schmitz, Berliner Bürger – sie alle haben ihre Unterstützung zugesagt. Für eine 17 Jahre alte Idee.

1997 zeichneten Jan und Tim Edler einen ersten Entwurf, ließen ihn aber wieder verschwinden. „Die Zeit war noch nicht reif.“ Inzwischen hat Berlin Strandbars, ein Badeschiff, die Mediaspree-Debatte. „Die Spree wird immer weiter zurückerobert“, meint Jan Edler.

Anfang November 2012 gründete sich der Verein »Flussbad Berlin“, der das Projekt vorantreibt und die Gespräche mit dem Berliner Senat, den Mitgliedern des Abgeordnetenhauses und Umweltverbänden führt. Koordinatorin des Vereins ist Ulrike Rose. Sie sagt: „Wir hoffen auf die Zusage einer Förderung im nächsten Monat, um das hydrologische Gutachten in Auftrag zu geben.“ Das Gutachten soll u.a. die Fließgeschwindigkeit ermitteln – eine wichtige Voraussetzung, die Spree schwimmbar zu machen.

Aus Sicht von Rose kommt das Projekt „Flussbad“ genau zur richtigen Zeit: „Berlin ist ohnehin durch Europäisches Recht aufgefordert, in naher Zukunft Maßnahmen zu ergreifen, um die ökologische Qualität des Gewässerlaufs der Spree zu verbessern. In der Überarbeitung wurde auch die Nutzbarkeit des Kanals als Fußweg verstärkt.“ So soll u.a. ein Steg gebaut werden.

Bis zur Internationalen Bauausstellung 2020 könnte das Wasser mithilfe eines Pflanzenfilterbeckens so weit geklärt sein, dass man im Kupfergraben auf einer Länge von 750 Metern schwimmen kann.Der Einstieg ist vom Lustgarten oder Schlossplatz aus möglich – über eine breite Treppe.

Die letzte von 15 Flussbadeanstalten in Berlin schloss übrigens 1925. Gut 100 Jahre später könnte der Hauptstadt-Fluss endlich wieder Badewasserqualität haben.

www.flussbad-berlin.de

 

 

 

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