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Altenahr und die Flut: „Ich gebe so schnell nicht auf“

Geschrieben von Katrin Jäger am in Orte und Originale

Ein Krater, wo einst die Bundesstraße 267 verlief

Im Winzerort Altenahr (Rheinland-Pfalz) richtete die Flut verheerende Zerstörungen an. Viele Einwohner wollen nicht zurückkehren, aus Angst vor der nächsten Flut. Hausbesitzer Alexander Roller möchte hingegen unbedingt bleiben.

Von Markus Harmann (Text und Fotos)

Presslufthammer rasseln, aus zerstörten Fenstern dringt Staub auf die Brückenstraße. Häuserwände sind mit Schlamm verschmiert, in den Straßen türmt sich der Schutt. Vier Wochen nach der Flut ist im Winzerort Altenahr (Rheinland-Pfalz) nichts mehr, wie es war. 80 Prozent aller Häuser sind beschädigt oder sogar ganz zerstört. Neun Bewohner kamen bei der Flut ums Leben.

Die Bundesstraße 267, die mitten durch den Ort führt, ist hinter einem Tunnel von der Flut weggerissen worden. Ein gewaltiger Krater tut sich auf. Auf dem Grund liegen Häuserwände und Autos.

Blick auf die zerstörte Brücke der Ahrtalbahn

Dutzende Helferinnen und Helfer sind in Altenahr im Einsatz. Radlader schaufeln Schutt auf Anhänger, Bagger reißen Hausruinen ab, in der Ortsmitte gibt es Getränke und eine heiße Suppe. Abends und nachts hingegen kehrt Stille ein.

Fast alle Bewohner aus dem Ortskern mussten ihre Häuser verlassen, sie sind in benachbarten Eifelorten in Ferienwohnungen untergekommen. Bürgermeister Rüdiger Fuhrmann befürchtet bereits, dass viele nicht so schnell zurückkommen werden. Einer Zeitung sagte er: „Die meisten haben inzwischen realisiert, dass unsere Häuser gewiss noch nicht für den kommenden Winter bewohnbar gemacht werden können.“

Alexander Roller sagt, viele Menschen aus Altenahr würden überlegen, ob sie überhaupt zurückkehrten in den Ort. „Der Schock war einfach zu groß. Innerhalb weniger Stunden ist das Wasser auf eine Höhe von acht Metern gestiegen, fast fünf Meter höher als beim letzten Höchststand 1910.“ Die Angst davor, so Roller, dass so etwas wieder geschehe, sei groß.

Hotel ohne Fenster – in der Innenstadt von Altenahr

Altenahr liegt in einem Tal, zerklüftete und steil aufragende Felsen zwingen die Ahr hier zu engen Windungen. Oben thronen malerisch die Ruinen der Burg Are aus dem 12. Jahrhundert. Unten steht das 130 Jahre alte Haus von Alexander Roller, das er erst vor vier Monaten gekauft hat. „Die Wassermassen kamen über den Fluss und von den Hängen. Vor der Eisenbahnbrücke stauten sie sich dann an, weil angespülte Baumstämme und Autos den Weg versperrten.“ Mit verheerenden Folgen für den Ort. Die Eisenbahnbrücke ist völlig zerstört, die Gleise hängen in der Luft. Links und rechts der Ahr: alles mitgerissen. Die Bewohner eines Altenheims Maternus-Stifts mitten im Ort konnten sich gerade noch in die oberen Etagen retten.

Der Bahnhof von Altenahr. Rundherum wurde alles von den Wassermassen weggerissen

Auch Roller hatte Glück im Unglück. Er war in der Nacht der Flut nicht am Ort. Denn sein Haus war auch vor der Flut bereits eine Baustelle. Er sanierte es von Grund auf.

Jetzt fängt er beinahe von vorn. „Wir wollten schon tapezieren, jetzt müssen wir erst einmal die Wände sanieren.“ Obwohl das Haus so alt ist und nah an der Ahr steht, hat es die Flut einigermaßen glimpflich überstanden. Roller ist überzeugt: „Ich mache hier weiter. Das Haus ist wunderschön, ich wollte es unbedingt haben und gebe so schnell nicht auf.“ Und er würde sich freuen, wenn die meisten Bürger aus Altenahr genauso denken und zurückkehren in den Ort.

Kleiner Keiler

Mandarinen im Kopf

Geschrieben von Katrin Jäger am in Kleiner Keiler

Von KATRIN JÄGER

Die Schale lag schon da, die Fingernägel waren schon orange verfärbt und der unvergleichliche Duft der frisch gepellten Mandarine stieg in meine Nase, da musste ich unvermittelt an einen immer wieder gerne zitierten Satz von Forrest Gump aus dem gleichnamigen Film denken. Tom Hanks, der den naiven aber zugleich mit sensationellen Fähigkeiten ausgestattenen Gump spielt, sagt dort: „Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie, was man kriegt.“ Warum mir ausgerechnet jetzt, während ich noch die letzten weißen Fäden von dem Fruchfleisch zuppele, dieses Filmzitat in den Sinn kommt, ist klar: Auch bei einder Mandarine weiß man nie, was einen erwartet. Hat sie Kerne, ist sie sauer, ist sie süß, ist sie prall oder schon labberig? Tja, man wird es erst wissen, wenn man es wagt in sie hineinzubeißen.  Insofern könnte die Mandarine auch eine gute Metapher für das Leben an sich sein. Schließlich weiß man beim Leben auch nie, ob es sauer oder süß wird. Und an dieser Stelle rufe ich jetzt laut und deutlich: HALT! Was für ein Quatsch! Warum versuchen wir eigentlich dauernd irgendwelche Weisheiten in Form von weise klingenden Sprüchen von uns zu geben. Schaut man sich bei Facebook um, wird einem ganz schwindelig vor lauter krummen Zitaten: Und kaum einer merkt, dass sehr viele dieser vermeintlichen Sinnsprüche absolut sinnlos sind. Bleiben wir beim Pralinenzitat aus dem Film: Wenn es ein Lebensmittel gibt, von dem ich ganz genau weiß, was mich erwartet, ist es eine Praline aus einer Schachtel Pralinen. Denn unter der Packung wird immer ganz genau beschrieben, ob das Schokoteilchen Nougat, Marzipan oder Edellikör enthält, sogar Fotos gibt es da. Ich bin also überhaupt nicht überrascht, nichts ist unerwartet und damit kann man auch nicht die Schachtel Pralinen mit dem Leben vergleichen, bei dem ich nicht weiß, was ich kriege.Die Mandarine übrigens war echt okay. Saftig genug, kein Kern drin. Als ich sie aufgegessen hatte, dachte ich kurz noch: „Das Leben ist wie ein Netz Mandarinen, man weiß nie, was man kriegt.“ Vielleicht sollte ich das doch mal posten…? Scherz!

 

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