Warum Carpe Diem mich fertig macht!

Geschrieben von Goldeber am in Medien und Moral

Als der Film „Club der toten Dichter“ anlief, war ich in etwa so alt wie Julia Engelmann. Das ist die blonde, junge Frau, über die derzeit im Internet geschwärmt und inzwischen auch kritisch diskutiert wird. Die, die mit entzückend gespielter Jungmädchenmiene auf einem Poetry Slam eine große, alte Weisheit ins Moderne übertragen hat. Carpe Diem 2014. Im Kern sagt sie das, was auch der römische Dichter Horaz einst sagte und das sich wie ein roter Faden durch den Hollywoodfilm mit Robin Williams (Nein nicht Robbie!) zog: Nutze den Tag!

Und heute wie damals, als wir uns den Film auf Video anschauten, kann ich diesem roten Faden nur wenig abgewinnen. Er setzt mich schlicht unter Druck! Nutze den Tag – das heißt doch: Verschwende ihn nicht. Doch genau das tut man doch, mit Anfang 20. Oder man sollte es tun. Wenn ich aber nicht verschwenderisch sein darf, muss der Tag nützlich sein. Ich hätte also nicht ausschlafen und die erste Vorlesung schwänzen sollen? Oder aber: Ich hätte Schwänzen sollen, Freunde treffen, jede Menge Wein trinken und nicht zur Vorlesung gehen sollen, weil die Freunde wichtiger sind als die Uni?

Fernsehen ohne Fremdschämen

Geschrieben von Goldeber am in Medien und Moral

Foto: ARD/NDR/Frank P. Wartenberg/neuu

Foto: ARD/NDR/Frank P. Wartenberg/neuu

The Voice of Germany geht in die dritte Runde, Dalli Dalli ist wiederauferstanden und Claudia Schiffer startete statt mit einer neuen Model- mit einer neuen Mode-Casting-Show. Drei Formate, die der Herbst mit sich gebracht hat und über die man trefflich lästern, die man hervorragend zerreißen oder belächeln könnte. Sind sie doch alle drei schnöde Oberflächenware ohne jeden Tiefgang; sie bieten nichts wirklich Neues oder Innovatives. Doch betrachtet man sie als das, was sie sind, dann sind sie wirklich gut: Amüsantes Unterhaltungsfernsehen für die ganze Familie. Von Katrin Jäger

Beginnen wir mit dem ältesten Format: Dalli Dalli heißt jetzt nicht mehr Dalli Dalli sondern Das ist spitze. Doch wie bei der Verwandlung von Raider zu Twix hat sich an der Geschmacksnote des TV-Klassikers auch nichts geändert. Gefällig, nicht bitter und seltsamerweise immer noch frisch, kommt die Spielidee daher.

Glaube, Sitte, Heimat – und ein bisschen Sex

Geschrieben von Goldeber am in Medien und Moral

Auf dem Friedhof steht ein Gasthaus. Meistens enden hier Trauerfeiern, gelegentlich auch Hochzeiten. Autorenlesungen sind eine schöne Abwechslung, erst Recht, wenn es um eine der schönsten Hauptsachen der Welt geht. Nein, nicht ums Sterben oder Heiraten, sondern um – Sex. Die Autoren Katrin Jäger und Christian Nachtigäller lasen aus ihren Werken, in denen es immer auch ein bisschen frivol zugeht. Das Publikum war außer sich, es lachte, dass sich ringum auf dem Friedhof die Särge bogen. Eine Beobachtung.

„Glaube, Sitte, Heimat.“ So steht es auf dem Banner des Schützenvereins St. Rochus Verth-Schwienhorst, das, geschützt hinter Glas, im Durchgang zum Saal des Gasthauses Lauheide (Telgte) hängt. Für die 130 Besucher, die an diesem Samstagabend zur Autorenlesung kommen, liest sich der Leitspruch der Bruderschaft wie eine Mahnung, es doch bitte nicht zu übertreiben. Denn die Lesung, die folgt, hat es an diesem gut-bürgerlichen Ort so noch nicht gegeben. Es geht um: Sex. Um das Spiel mit dem Tabu, um Schmutziges und Heiteres, um Lyrisches und Prosaisches. Zweieinhalb Stunden ausgesprochen anregende Unterhaltung.

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