„Wenn es ums Ganze geht, halten die Tunesier zusammen“

Geschrieben von Goldeber am in Orte und Originale

Der Anschlag im Bardo-Museum von Tunis mit 21 Toten an diesem Mittwoch gilt als Rückschlag für ein Land, das Hoffnungen weckte. In Tunesien begann 2011 die arabische Revolution, das Chaos blieb bislang aus. Welche Folgen könnte der Anschlag haben und wie hat sich Tunesien entwickelt? Für die Reihe „Innenansichten. Besser als der Ruf?“ sprach Goldeber mit dem Journalisten Gerald Drißner. Er lebt mit seiner Frau in Tunis. Von Markus Harmann

Goldeber: Wie ist die Situation in Tunis so kurz nach dem Anschlag?

Gerald Drißner: Das Land steht unter Schock und viele Menschen sind wohl jetzt noch eher bereit, Freiheit für die Sicherheit zu opfern. Die Polizei ist schon seit Wochen sichtbar zurück und kontrolliert auf den Straßen. Jetzt kommt vermutlich auch der unsichtbare Sicherheitsapparat zurück, die Informanten und Spitzel. Das hat der Innenminister schon vor dem Anschlag angekündigt. Auch neue Anti-Terrorgesetze könnten erlassen werden. Das macht Tunesiern, die religiöser sind, vielleicht Kopftuch oder Bart tragen und deshalb unter Generalverdacht stehen, verständlicherweise Angst.

Innenansichten: Kolumbien

Geschrieben von Goldeber am in Orte und Originale

Wie lebt es sich wirklich in Simbabwe, Kolumbien, Tunesien oder Mexiko? Für die Reihe „Innenansichten. Besser als der Ruf?“ interviewt Goldeber Menschen, die vorübergehend oder dauerhaft in einem Land leben, deren (medialer) Ruf nicht immer der beste ist. Folge 1: Josephine Landertinger Forero. Die österreichisch-kolumbianische Filmemacherin lebt nach einem Studium in Berlin in Bogotá, der Hauptstadt Kolumbiens. 

Goldeber: Kolumbien. Bei diesem Stichwort denken viele immer noch zuerst an Drogen, Gewalt und Korruption. Geht es um reine Klischees?

Josephine Landertinger Ferero: Drogen, Gewalt und Korruption – das alles gibt es in Kolumbien, aber eben auch in Deutschland. Kolumbien ist eine der ältesten Demokratien und die viertgrößte Wirtschaftsmacht Lateinamerikas. Viele europäische Firmen haben in den letzten fünf Jahren einen Sitz in Bogotá geöffnet, sie suchen hier wegen der Eurokrise neue Möglichkeiten. Und mit Cartagena hat Kolumbien vielleicht eine der schönsten Städte der Welt, sie ist seit langem eine obligatorische Station für Kreuzfahrten der Karibik.

„Hierüber zu sprechen, wird niemals Routine“

Geschrieben von Goldeber am in Orte und Originale

Am 27. Januar 1945 erreichen russische Soldaten das Konzentrationslager Auschwitz. Die 7500 geretteten Insassen wirken mehr tot als lebendig. In den Magazinen finden die Rotarmisten 837.000 Damenmäntel und Kleider sowie 7,7 Tonnen menschliches Haar. Dass in Auschwitz zwischen 1,1 und 1,5 Millionen Menschen ermordet wurden, wird erst Jahre später bekannt. Einer, der Auschwitz überlebte und kurz vor der Befreiung auf den Todesmarsch gen Westen geschickt wurde, ist Adam König*. In einem Gespräch, das Markus Harmann 2005 – 60 Jahre nach der Befreiung des Vernichtungslagers – mit ihm führte, erinnert er sich.

Ein einziges Mal nur brechen die Emotionen aus Adam König heraus. Dann werden seine großen, wachen Augen für einen Moment lang feucht: “Ich weiß bis heute nicht genau, wie ich diese Hölle überleben konnte”, sagt der 82-Jährige und starrt an die Decke seiner kleinen Wohnung in Berlin-Friedrichshain. Mehr als fünf Jahre hielten die Nazis den 1922 in Frankfurt geborenen Juden in Konzentrationslagern gefangen, zweieinhalb Jahre davon in Auschwitz.

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