Flucht vor dem Verderben

Geschrieben von Goldeber am in Orte und Originale

Sie hausten in Gartenlauben, Kellerlöchern oder mischten sich unauffällig unter die Fahrgäste der S-Bahn. In Berlin tauchten in den letzten Jahren der Hitler-Diktatur zwischen 5000 und 7000 Juden unter, um so dem Abtransport in die Vernichtungslager zu entkommen. Ihnen, den so genannten U-Booten, ist eine kleine, äußerst sehenswerte Wanderausstellung gewidmet. „Dem Leben hinterher – Fluchtorte jüdischer Verfolgter“ kann kostenlos über das Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt (Berlin) ausgeliehen werden. Text: Markus Harmann, Fotos: Blindenwerkstatt

Endlich, der Morgen dämmerte. Der jüdische Rechtsanwalt Hans Münzer spürte, dass er für die nächsten gut 15 Stunden ein wenig sicherer sein würde. Er ging hinauf zum S-Bahnhof und mischte sich unter die Berliner auf dem Weg zur Arbeit. Die meisten schläfrig noch und desinteressiert an den Menschen um sie herum. Die Bahn fuhr vor, die Türen gingen auf, Menschen drängten hinein. Das Gewimmel in den Zügen war ein ideales Versteck – und Münzers Überlebenschance im Berlin des Jahres 1942. (…)

„Und dann kam ich nach Deutschland und an den Bäumen fehlten die Blätter“

Geschrieben von Goldeber am in Orte und Originale

Caleb Odindo (Foto: Harmann)

Caleb Odindo (Foto: Harmann)

Caleb Odindo wuchs in kenianischen Slums auf und brachte sich das Lesen selbst bei. Vor 25 Jahren kam er nach Deutschland und schlug sich als Verkäufer, Hilfskoch und Hausmeister durch. Heute ist er ein erfolgreicher Finanzbuchhalter – und organisiert nebenbei Nothilfe für seine ehemaligen Landsleute in Ostafrika.

Als Caleb Odindo an einem nasskalten Novembertag 1989 in Frechen (NRW) aus dem Auto stieg, konnte er nicht fassen, was er da sah: menschenleere Straßen, Häuser, die wie ausgestorben schienen, und Bäume, die ihre Blätter verloren hatten.

Einmal kurz aussteigen, bitte!

Geschrieben von Katrin Jäger am in Orte und Originale

Das Kanaren-Eiland La Gomera zieht Hippies, Ökofreaks, Wanderer und gestresste Mütter an – viele von ihnen sind auf Sinnsuche, einige finden sich dort selbst. Von Katrin Jäger (Text und Fotos)

Es waren einmal zwei Frauen. Fast vierzig, insgesamt fünf Kinder, je einen Ehemann, dauermüde, dauerüberfordert von Dreck auf den Fliesen, übervollen Wäschekörben,   anspruchsvollen Teilzeitjobs. Und auch wenn die Männer gutaussehend, die Ehe glücklich, die Kinder unvergleichlich klug und süß waren – einmal wollten die Frauen weg von allem! Karin und Katrin – so hießen die beiden – träumten fünf lange Jahre von einer Woche Aussteigen. Während sie Windeln wechselten, schreiende Kinder beruhigten, die Fliesen wischten und den Anfang der Diät auf nächsten Montag verschoben, planten sie ihre Auszeit. Endlich wieder durchatmen, innehalten, die eigene Seele wiederfinden und danach baumeln lassen. Das wär’s. Und so machten sie sich auf nach La Gomera. Denn dort steigen irgendwie alle ein bisschen aus.

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