Gestern Außenseiter, heute Vorreiter: Warum werden die unbeliebten Mitschüler eigentlich häufig so erfolgreich?

Geschrieben von Goldeber am in Kleiner Keiler

Von Lisa Harmann

Derzeit sitzen deutsche Schüler über ihren Abitur-Prüfungen. Die letzten Tage ihrer Schulkarriere sind angebrochen.

So ein bisschen ist das Ende der Schulkarriere ja wie ein Mauerfall. Jahrelang sitzt man in einem geschlossenen System fest, aus dem es kein Entrinnen gibt und plötzlich steht sie vor einem: Die Freiheit. Die einen können besser damit umgehen, die anderen schlechter.

Was mir aber besonders auffällt: Diejenigen, die in der Schule die (unbeliebten) Außenseiter waren, entwickeln sich in Freiheit zu wahren Größen. Während die, die in der Schule anerkannt und beliebt waren, in der Freiheit auch mal untergehen. Weil die Konkurrenz größer ist, die Möglichkeiten zu vielfältig. Warum auch immer.

Das, was jemand Besonderes an sich hat, kann er im System Schule vielleicht nicht so ausleben, dass es zum Erfolg wird. Später dafür umso mehr. So wird das Mädchen, dem sie damals am 1. Mai als Zeichen der Verachtung eine Tanne anstelle eines Maibaums vor die Tür setzten, heute in den Vorstand eines Dax-Unternehmens berufen. Diejenige, die immer zu spät in den Unterricht kam und ständig so merkwürdig angezogen war, feiert heute als Modedesignerin Premieren auf den bedeutendsten Laufstegen der Welt.

Was ich damit sagen will: Wer in der Schule nicht funktioniert, für den ist noch nichts verloren. Nur die Situation macht aus ihm das, als das er angesehen wird. Ein Mauerfall. Ein Abi. Das Ende einer Ausbildung. Ein Umzug. Das alles kann Dinge aus uns rausholen, von denen niemand etwas geahnt hätte. Die einen kommen besser damit klar, die anderen schlechter. Die einen entfalten erst dann ihr wahres Potential. Und die anderen gehen unter. Bis zum nächsten Umschwung. Und dann mischen sich die Karten wieder neu.

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