In memoriam: Luftfahrtpionierin Elly Beinhorn

Geschrieben von Goldeber am in Abenteuer und Athleten

Elly Beinhorn war eine Powerfrau. Mutig, selbstbewusst, abenteuerlustig, bildhübsch. Kein anderer Beruf hätte besser zu ihr gepasst als der einer Pilotin. Als erste flog sie 1932 allein um die Welt. Als letzte aus dem Kreis der Luftfahrtpioniere verließ sie diese Welt. Elly Beinhorn starb mit 100 Jahren in einem Seniorenheim bei München. Erinnerung an eine Himmelsstürmerin. Von Markus Harmann

Eigentlich wollte sie Tierfängerin werden. Doch weil der Zirkus Hagenbeck in Hamburg 1923 nicht auf ihre Bewerbung reagierte, suchte sie sich einen anderen Beruf: Sportpilotin.

In der Flugschule Berlin-Staaken saß sie 1928 erstmals am Steuerknüppel einer winzigen Klemm-Kl-20 mit 20 PS und offenem Cockpit. Sehr zum Entsetzen ihrer Eltern. Fliegerei – das war damals nur etwas für starke Männer. Elly Beinhorn erinnerte sich in ihrer Autobiografie: „Keine Fluggesellschaft habe auch nur den Schimmer einer Absicht, jemals weibliche Piloten einzustellen.“

Die Kaufmannstochter aus Hannover machte trotzdem mit halsbrecherischen Flugmanövern von sich reden. 1931 erfüllte sie sich einen Traum: Afrika. Den Flug bis zur Westküste des schwarzen Kontinents finanzierte die Zeitung „B.Z. am Mittag“. Auf dem Rückflug brach über dem heutigen Mali eine Ölleitung. Notlandung im Dschungel. Tagelang galt Beinhorn als verschollen. “Wilde Kriegergestalten, jeder mit mehreren Speeren in der Hand” nahmen sie auf, brachten sie nach Timbuktu. Die „B.Z. am Mittag“ organisierte eine Ersatzmaschine, mit der sie zurückflog nach Berlin – und nur wenige Monate später wieder aufbrach: Diesmal umrundete Elly Beinhorn die Welt, mit gerade 25 Jahren.

Ihr Mann starb bei Tempo 440

Indien, Thailand, Singapur, Bali, Australien, Argentinien. Das „hübsche Mädchen in der Holzkiste“, wie Zeitungen damals schrieben, erlebte Bruchlandungen, geriet in eine Revolution (Chile) und schaffte als erste die Überquerung der Anden.

Nach mehr als sieben Monaten zurück auf dem Flughafen Tempelhof ließ sich die „fliegende Elly“ von den Massen feiern.

Privat hatte sie weniger Glück. Ihr erster Mann, der legendäre Rennfahrer Bernd Rosemeyer, starb nur zwei Jahre nach der Hochzeit. 1938 überschlug sich sein Fahrzeug bei Tempo 440 bei einem Weltrekordversuch. Tochter Stephanie aus zweiter Ehe starb ebenfalls früh. Geblieben ist Sohn Bernd (70), ein Arzt.

Die Herrin der Lüfte hörte erst mit 72 Jahren mit der Fliegerei auf. Zum 100. Geburtstag im Mai 2007 fuhr ihre Familie mit ihr an die Küste. „Dorthin, wo sie den Horizont sehen konnte“, sagte ihr Sohn damals. An die Grenze zwischen Himmel und Erde. Nur ein halbes Jahr später hat sie diese Grenze für immer überschritten.

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