Die Preisdiktatur des Proletariats

Geschrieben von Goldeber am in Kleiner Keiler

Karl Marx-Haus in Trier beherbergt 1-Euro-Shop

Karl-Marx-HausIn der Simeonstraße 8 in Trier, schräg gegenüber der Porta Nigra, steht ein Bürgerhaus aus dem späten 18. Jahrhundert. Vor einigen Monaten zog hier ein „Euroshop“ ein. Die Kette verspricht 1000 Artikel für jeweils einen Euro. Es gibt Vogelfutter, Batterien, Zündhölzer, Alufolie, Grillbesteck, Schulhefte, Putzhandschuhe, Lippenstifte oder Spielzeugautos. Die Philospohie der Kette lautet: Preisklarheit („alles 1 Euro“), Mehrwert („spitzen Preis-Leistungsverhältnis“) und Attraktivität („jeder Kunde findet garantiert Passendes“).

Klarheit, Mehrwert, Attraktivität – könnte man die Botschaft jenes Mannes, der in diesem Haus seine Jugend verbrachte (1819 bis 1835) besser in die heutige Zeit transportieren? Der Mann hieß Karl-Marx. Der berühmteste Sohn der Stadt Trier formte einst die Diktatur des Proletariats und hat weltweit  zahlreiche und ausgesprochen berühmte Anhänger (Erich Honecker, Fidel Castro), auch wenn nicht alle genau verstanden haben, was Marx wirklich wollte.

Abgesehen natürlich von den Gründern des Prinzips Euroshop. Dass die sich nun mit einer weiteren ihrer 200 Filialen ausgerechnet im Karl-Marx-Haus niederließen, muss als Glücksfall der Geschichte gewertet werden.  Endlich kommt zusammen, was zusammengehört.

Eines allerdings ist noch nicht konsequent: Neben all dem Vogelfutter-Büstenhalter-Zollstock-Kerzenleuchter-Quatsch sucht man das Marx-Standard-Werk „Das Kapital“ vergebens – für 1 Euro versteht sich.

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