Glaube, Sitte, Heimat – und ein bisschen Sex

Geschrieben von Goldeber am in Medien und Moral

Auf dem Friedhof steht ein Gasthaus. Meistens enden hier Trauerfeiern, gelegentlich auch Hochzeiten. Autorenlesungen sind eine schöne Abwechslung, erst Recht, wenn es um eine der schönsten Hauptsachen der Welt geht. Nein, nicht ums Sterben oder Heiraten, sondern um – Sex. Die Autoren Katrin Jäger und Christian Nachtigäller lasen aus ihren Werken, in denen es immer auch ein bisschen frivol zugeht. Das Publikum war außer sich, es lachte, dass sich ringum auf dem Friedhof die Särge bogen. Eine Beobachtung.

„Glaube, Sitte, Heimat.“ So steht es auf dem Banner des Schützenvereins St. Rochus Verth-Schwienhorst, das, geschützt hinter Glas, im Durchgang zum Saal des Gasthauses Lauheide (Telgte) hängt. Für die 130 Besucher, die an diesem Samstagabend zur Autorenlesung kommen, liest sich der Leitspruch der Bruderschaft wie eine Mahnung, es doch bitte nicht zu übertreiben. Denn die Lesung, die folgt, hat es an diesem gut-bürgerlichen Ort so noch nicht gegeben. Es geht um: Sex. Um das Spiel mit dem Tabu, um Schmutziges und Heiteres, um Lyrisches und Prosaisches. Zweieinhalb Stunden ausgesprochen anregende Unterhaltung.

Vater unser to go

Geschrieben von Goldeber am in Medien und Moral

Gebetomat1Gebete aus dem Automaten? In einer Berliner Markthalle kein Problem. Ein umgebauter Passbildautomat spuckt 300 Gebete aller Weltreligionen und einiger umstrittener Organisationen wie Scientology aus. Das ist Kunst, sagt Erfinder Oliver Sturm und ist fast überrascht, dass sogar die christlichen Kirchen seine Idee gut finden.  Von Markus Harmann

Die Frauenstimme aus den Lautsprechern an der Decke wirkt beruhigend: „Sie können jederzeit das Gebet unterbrechen und zu einem anderen wechseln.“ Nicht nötig, das Vater unser ist kurz und ohnehin bald vorbei, wie dem Fortschrittsbalken auf dem Bildschirm zu entnehmen ist. Das ist ja das Gute an diesem Gebetomaten, der in einer Berliner Markthalle steht: Wer ihn nutzt, braucht keine religiöse Vorbildung. Er muss einen Touchscreen bedienen können – den Rest regelt die Maschine.

„Und dann kam ich nach Deutschland und an den Bäumen fehlten die Blätter“

Geschrieben von Goldeber am in Orte und Originale

Caleb Odindo (Foto: Harmann)

Caleb Odindo (Foto: Harmann)

Caleb Odindo wuchs in kenianischen Slums auf und brachte sich das Lesen selbst bei. Vor 25 Jahren kam er nach Deutschland und schlug sich als Verkäufer, Hilfskoch und Hausmeister durch. Heute ist er ein erfolgreicher Finanzbuchhalter – und organisiert nebenbei Nothilfe für seine ehemaligen Landsleute in Ostafrika.

Als Caleb Odindo an einem nasskalten Novembertag 1989 in Frechen (NRW) aus dem Auto stieg, konnte er nicht fassen, was er da sah: menschenleere Straßen, Häuser, die wie ausgestorben schienen, und Bäume, die ihre Blätter verloren hatten.

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