Pegida und Co.: Ich will sie nicht mehr sehen!

Geschrieben von Goldeber am in Medien und Moral

Von Katrin Jäger

PegidaWenn ich morgens in der Zeitung die ersten Nazis sehe, wird mir schlecht. Wenn ich abends im Fernsehen ihre schrecklichen Sprüche höre, bekomme ich Angst. Ich will diese Typen nicht sehen, ich will sie nicht hören, ich will sie nicht in meinem Leben haben!

Deshalb schalte ich um
und schaue mir „Bauer sucht Frau“ oder eine preisgekrönte Serie an. Deshalb blättere ich in der Zeitung zur Service-Seite und lese beim Frisör lieber Bunte als Spiegel. Ja, ich schaue weg. Aber nicht, weil es mir egal ist. Ich schaue weg, weil ich sonst überschäumen würde vor Wut und versinken würde in Trauer über so viel menschenverachtendes Gerede und – schlimmer noch – Getue. Ich blättere die Zeitung weiter, weil ich diese Hetzer nicht an meinem Frühstückstisch haben will. Ich schalte um, weil ich nicht von ihren Drohungen träumen will.

Ich bin froh, dass ich in einem Dorf wohne und nicht in Dresden. Ich bin froh, dass sich meine Gedanken um Klassenfahrten, Fördervereinssitzung oder die Planung des nächsten Sommerurlaubes drehen. Und dann schäme ich mich, dass ich froh darüber bin – und dann sind sie doch schon wieder woanders hin – meine Gedanken.

Ohne dass ich es will, überlege ich, wieso Menschen applaudieren, wenn andere so offensichtlich schlimme Sachen sagen und tun.  Ich überlege, ob es helfen würde, mit ihnen zu reden, ihnen zu erklären, dass es falsch ist, was sie da gut heißen, unterstützen und befeuern. Dass es zutiefst unchristlich, unmenschlich und traurig ist.

Mich gruselt es, wenn ich sehe, dass Eltern ihre Kinder mitnehmen zu Anti-Flüchtlings-Veranstaltungen. Wenn ich mir vorstelle, wie diese Kinder ihrer Mutter und ihrem Vater dabei zuschauen, wie sie brüllen und hetzen, will ich es mir nicht vorstellen.

Wenn meine Kinder fragen, was es mit den Galgen von Dresden auf sich hat und mit diesem Messerangriff in Köln, bleibe ich ihnen Antworten schuldig. Ich spreche von bösen Menschen, mehr fällt mir nicht ein.

Viele von diesen bösen Menschen sind ganz offensichtlich dumm, doch hilft es, es ihnen immer wieder zu sagen? Ich glaube nicht und erinnere mich an einen alten Schulhof-Spruch, der aus Buchstaben bestand, die man möglichst schnell aufsagen musste: DBDDHKPUKKU (Dumm bleibt dumm, da helfen keine Pillen und keine kalten Umschläge.) Ob mich ein dummer Mensch bedroht oder ein Hochbegabter, ändert übrigens nichts am Angstgefühl, das er bei mir auslöst. Helfen Argumente? Hilft die Staatsanwaltschaft? Nützen harte Worte von Politikern?

All das sind Fragen, die ich mir stelle, aber nicht stellen will: Denn niemand weiß darauf eine Antwort.

Manchmal wünsche ich mir, es wäre so: Ich schalte den Fernseher aus und schmeiße die Zeitung ins Altpapier und am nächsten Tag gibt es sie nicht mehr. Die Hetzer, Mitläufer, Nazis. Könnten sie sich nicht bitte, bitte über Nacht einfach in Luft auflösen!

 

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