„Spektakulär“ gescheitert

Geschrieben von Goldeber am in Kleiner Keiler

Warum ich Lanz die Daumen drückte und schon wieder enttäuscht wurde 

Jetzt ist es geschehen: Ich sitze Samstagabend vor dem Fernseher und drücke Wetten, dass…?-Moderator Markus Lanz die Daumen. Ja, ich wünsche ihm, dass er es gut macht, dass er es diesmal hinbekommt, dass seine Kommentare zu den Wetten nicht bloß aus „wunderbar“, „spektakulär“ und „Wahnsinn!“ bestehen; dass er ein Gespräch führt und nicht nur auf die schnelle Pointe aus ist (wie in seiner Talkshow); dass er nicht krampfhaft versucht, Thomas Gottschalk nachzuäffen, sondern seinen eigenen Stil herausbildet. Ich habe die Kritik an ihm zum Teil als unfair und zu persönlich empfunden. Medienjournalist Stefan Niggemeier nannte seine Art zu moderieren (und bezog sich dabei auf seine Talkshow) einmal „unausstehlich“.

Das ist hart, und ich hatte das Gefühl, die überharte Kritik an Lanz hat den nicht gerade vor Selbstbewusstsein strotzenden Moderator erst recht verunsichert. Ich wollte also, dass er es seinen Kritikern zeigt. Denn eigentlich halte ich ihn für einen netten, umgänglichen Kerl.

Und dann das: Das Erschreckende an der „Wetten dass…?-Sendung“ am Samstagabend war, dass man das Gefühl hatte, (fast) jeder seiner Gäste wäre der bessere Moderator gewesen. Gut, mal abgesehen vielleicht von Boris Becker. Aber all die anderen Gäste: Ina Müller, Wolfgang Stumpf, Bully Herbig – sie hätten der Show mehr Charme gegeben, als der Moderator selbst.

Dem „Stern“ sagte er vergangene Woche, es sei keine Freude für ihn gewesen, als er zusagte und meinte die Zusage zur Gottschalk-Nachfolge. Dass, Herr Lanz, war Ihnen am Samstag anzumerken. Sie haben die Sendung nicht genossen, nicht an sich gezogen, nicht geprägt. Sie waren einfach nur froh, als alles vorbei war. Wetten, dass..? (Markus Harmann)

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Kommentare (1)

  • berlinpankowblogger

    |

    Es gibt immer mal wieder Momente, da bin ich froh, noch nie eine Sendung „Wetten dass…“ gesehen zu haben. Ja, wirklich, nicht eine.

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