Beiträge mit Tag ‘Mexiko’

Im Kollektiv durch Mexiko

Geschrieben von Goldeber am in Abenteuer und Athleten

Für Reisende auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán ist der Colectivo erste Wahl. Das Sammeltaxi ist praktisch und günstig, nur manchmal etwas zu schnell.

Als wir den Kindern sagen, dass wir für die Fahrt von Playa del Carmen nach Tulum den Colectivo nehmen, winken sie ab. „Da sitzen wir ja neben fremden Leuten!“, empört sich Paul. Colectivo klingt ja tatsächlich ein bisschen nach sozialistischer Reise-Variante. Nach Zwangsgemeinschaft, nach Enge.

Selbstbesoffen unter Wasser

Geschrieben von Goldeber am in Kleiner Keiler

SelfieVon Tauchern und Narzissten. Wenn selbst Meeresschildkröten vor Selfies nicht sicher sind.   

Er zog die Taucherbrille über Augen und Nase, richtete den Schnorchel und hielt die Teleskopstange mit der Unterwasserkamera an ihrer Spitze auf Kopfhöhe. Dann tauchte er in Richtung Meeresschildkröte, die etwa drei Meter unter ihm durch die Karibik gleitete. Es erinnerte an einen Ertrinkenden, als er sich mit einer Art Purzelbaum der Schildkröte bis auf einen halben Meter näherte. Das Erstaunlichste: Das Tier blieb ganz und gar entspannt und ließ sich selbst dann nicht aus der Ruhe bringen, als die Flossen des Tauchers ihren Panzer streiften.

Es schien, als ahnte die Schildkröte, was der Mensch da über ihr im Schilde führte. Weil sie es schon kannte?

Vielleicht. Denn die Unterwasserakrobatik diente einem Zweck, der über Wasser längst (touristische) Standard-Disziplin geworden: dem Umgebungs-Selfie. Diesmal nicht: Ich und Eiffelturm oder: Ich und taumelndes Flugzeug, sondern: Ich und gelangweilte Meeresschildkröte am Playa Akumal, Yucatan, Mexico.

Das Foto-Ergebnis mag unscharf, wässrig und schlecht komponiert sein. All das ist irrelevant, denn dort, wo das Bild ganz sicher noch am selben Tag buchstäblich wieder auftauchte, kommt es nicht an auf Schärfe, Komposition und Ästhetik, sondern auf Belegbarkeit und Selbstbesoffenheit. In den Sozialen Netzwerken entspricht die Rolle des Selfie einer Herzfrequenz-Anzeige auf der Intensivstation: Sauerstoff für den Narzissten. Hurra, ich lebe noch!

Ich und die Meeresschildkröte also. Ohne Selfiestick wäre das Schildkrötenbild kaum denkbar. Denn im Unterschied zum Selfie ermöglicht das Selfiestick-Selfie auch das Aufnehmen der Umgebung und damit eine Verortung. Die ausgefahrene Rechte hoch zum fotografischen Selbstgruß – ein entscheidender evolutionärer Vorteil.

Es gab Zeiten, lange vor der Erfindung des Smartphones, da baten wir Menschen, von uns ein Foto vor dem Zugspitz-Panorama zu machen. Doch dafür mussten wir uns überwinden. Fotografieren war ein kommunikativer Akt, von dem man nicht wusste, wie er ausgehen würde. Wie würde der Gebetene reagieren? Würde der Bild-Ausschnitt so werden wie gewünscht?

Mit dem Selfiestick ist der Narzisst auch im Augenblick des Auslösens ganz Herr seiner selbst.

Aber wozu das alles? Der französische Philosoph Alexandre Lacroix sagt dazu: „Wir verschicken Fotos, Videos und Tweets an Menschen, die ihrerseits so sehr damit beschäftigt sind, selbst Inhalte zu produzieren, dass sie für uns kaum echtes Interesse aufbringen können.“ Da dieses virtuelle Posing mehr und mehr in unser Leben hineingreife, fragt Lacroix, ob wir nicht Gefahr laufen, ähnlich wie Narziss in der griechischen Sage, „in all unseren Selfies zu ertrinken“.

Der ungelenke Taucher mit dem Selfiestick zumindest hat überlebt.

Markus Harmann

Die jungen Mexikaner wollen ihr Land verändern, die alten haben mit der Politik abgeschlossen

Geschrieben von Goldeber am in Orte und Originale

Die Verschleppung und Ermordung von 43 Studenten hat die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf Mexiko gelenkt: Das mittelamerikanische Land erlebt Gewalt und Korruption in offenbar immer größerem Ausmaß. Hinzu kommt, dass es als Transitland für Drogen in die USA zu einem Kampfgebiet der Kartelle geworden ist. Doch ist das das wahre Bild Mexikos? Für die Reihe „Innenansichten. Besser als der Ruf?“ sprach Goldeber mit Pablo Andreae. Der gebürtige Kölner lebt seit einem Jahr auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan und arbeitet u.a. als Reiseführer.   

Abenteuer und Athleten

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Visionen und Vergangenheit

Zum letzten Mal

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