Wahlplakate

Geschrieben von Goldeber am in Kleiner Keiler, Medien und Moral

Warum Wolfgang Bosbach so weiße Zähne hat.

Wolfgang Bosbach, wie er hängt und wirkt

Wolfgang Bosbach, wie er hängt und wirkt

Gut, dass wieder überall Plakate hängen, sonst wüssten wir gar nicht, dass in vier Wochen Bundestagswahlen sind. Viele behaupten ja, Plakate seien sinnlos. Sie enthielten eh keine griffigen Aussagen, und wenn doch („Sichere Arbeit“ – CDU), dann seien die Aussagen ganz sicher falsch, übertrieben oder beschönigend. Und außerdem verschandelten Plakate das Straßenbild.

Man kann aber auch ganz anderer Meinung sein: Plakate sind das wahrhaftigste, informativste und beste, was der Wahlkampf zu bieten hat. Nicht nur, weil sie uns von jeder Laterne mitteilen, dass wieder Wahlen sind. Nein, sie zeigen uns, wie Parteien und Politiker wirklich ticken. Gestaltung und Verunstaltung der Plakate sagen dreimal mehr über eine Partei aus als ein Wahlprogramm (das in einer Koalitionsregierung eh kaum umgesetzt wird). Und Plakate sind – im besten Sinne – eine Projektionsfläche für die Bürger. Also sie sind es nicht automatisch, aber viele werden es: Weil sich Bürger einen Edding oder eine Sprühdose nehmen und Plakate, nun ja, verfeinern. Ad-Busting nennt man den Street-Art-Style, bei dem Plakate verfremdet werden. Wie im Falle von Herrn Westerwelle oder Herrn Bat- äh: Bratmann.

Aber manchmal müssen Plakate gar nicht bemalt oder besprüht werden, auch so tragen sie genug Aussage in sich. CDU-Politiker Wolfgang Bosbach zum Beispiel. Er trägt auf den Plakaten, mit denen der Rheinisch-Bergische Kreis derzeit zugekleistert ist, nicht nur einen grauen Anzug vor grauem Hintergrund. Er hat auch so weiße Zähne, wie er sie wahrscheinlich nicht einmal hatte, als er sie noch geputzt hat noch ein kleiner bergischer Junge war. So strahlend weiß ist die Kauleiste von „WoBo“, dass selbst Sylvie van der Vaart peinlich berührt wäre, würde man sie in der Gala so dreist fotoshoppen. Tja, und dann noch der Hinweis „Unser Bester“. Er mag aus CDU-Sicht vielleicht richtig sein, erinnert aber doch sehr an einen Slogan, der in der Joghurt- und Frühlingsquark-Branche immer wieder gern hervorgezaubert wird.

Was sagt das Plakat über die Partei und den Kandidaten? Es ist ein bisschen wie im Märchen von Rotkäppchen. Aber Wolfgang, warum hast Du so weiße Zähne? Damit ich besser lächeln kann. Und  warum bis Du unser Bester? Ach, glaubt doch nicht den ganzen (Frühlings-)Quark, den ich erzähle.

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